Expertenpanel zum Thema "Wie bereitet man Legacy-Systeme auf das IIoT vor?"

Ein Schwerpunkt der regen Diskussion war die Konnektivität und Interoperabilität von den Millionen von Geräten, die in der Industrie heute bereits im Einsatz sind. Philip Marshall, Chief Operating Officer von Hilscher North America, stellte fest: "Heute gibt es in vielen Anlagen hunderte von 20 oder 30 Jahre alten SPS - wie sollen wir die migrieren? Die meisten Anlagenbetreiber wollen nichts anfassen, das funktioniert." Er fügte aber hinzu: "IoT ist eine Erweiterung dessen, was SCADA schon seit Jahren macht.

 

 Die Teilnehmer am Smart Industry 2016 Panel diskutieren darüber, wie man Legacy-Systeme auf das IIoT vorbereitet
(Phil Marshal ganz rechts im Bild)

 

"Bei Hilscher haben wir eine IoT-Lösung entwickelt, die 'Promiscuous Mode'-Technologien für Brownfield-Umgebungen nutzt. Unser netIOT-Gateway fungiert in Ihrem Anlagennetzwerk als "dummes" Gerät, das Daten sammelt, ohne dass die SPS neu programmiert werden müssen," sagte Marshall.

 

Ein weiteres wichtiges Thema war die Standardisierung: Tom Burke, Präsident der OPC-Foundation stellte fest: "Der OPC-Standard überführt Legacy-Systeme in den IIoT-Bereich. Mehr als 4.200 Unternehmen haben OPC-Lösungen entwickelt, und mehr als 17 Millionen Anwendungen nutzen diese - ein klarer Erfolgsindikator." 

 

Arlen Nipper, Präsident und CTO von Cirrus Link Solutions und Mitbegründer des MQTT-Standards, sagte, dass die Öl- und Gasindustrie MQTT (ursprünglich als IBM-Messaging-Technologie entwickelt) bereits seit 19 Jahren in SCADA-Systemen einsetze. Für die Migration von Legacy-Systemen empfahl Nipper den Einsatz von "Edge-Netzwerk"-Gateways, die multiple Protokolle unterstützen, sicher seien und Kommunikationsstrategien wie MQTT über TCP einbetten würden.

"Die Öl- und Gasindustrie nutzt MQTT
bereits seit 19 Jahren in SCADA-Systemen.

Auf die Frage, wie Informationstechnik (IT) und operative Technologie (OT) zusammenarbeiten können, erwiderte Nipper, "Wir versuchen seit 15 Jahren diese Lösungen top-down zu verkaufen. Es hat nie funktioniert. Um erfolgreich zu sein, müssen wir den Betreibern zeigen, dass die neuen Systeme weitaus besser sind als ihre vorhandenen." Und er erklärte, dass es wichtig sei, sowohl der IT als auch der OT zu zeigen, dass die Lösungen besser geschützt, sicherer und redundanter seien.

 

Burke fügte hinzu, "Es gab eine Mauer zwischen IT und OT - eine physische Mauer, eine Netzwerkmauer und eine politische Mauer. Diese Mauern fallen. Vor fünfzehn Jahren setzte sich der OPC Foundation-Vorstand noch aus typischen Automatisierungsunternehmen zusammen. Heute sitzen IT-Unternehmen wie SAP und Microsoft mit am Vorstandstisch." 

"Es gab eine Mauer zwischen IT und OT -
eine physische Mauer, eine Netzwerkmauer, eine politische Mauer."

Panel-Teilnehmer Paul Sereiko, Director of Marketing der FieldComm Group, bemerkte zur IT/OT-Abgrenzung: "Wenn wir jedes Gerät mit einem Ethernet-Port ausstatten, müssen wir auch die Sicherheit entsprechend aufwerten."

Auf die Frage "Wie geht's mit IIoT weiter" erwidert Hilschers Marshall "Jetzt können wir alles speichern. GE sammelt mehr Daten an einem Tag als Facebook in einem Jahr. Daten-Wissenschaftler können diese Daten analysieren und nach neuen Trends und Mustern durchsuchen, um ihre Prozesse zu verbessern."

"Jetzt können wir alles speichern. GE sammelt mehr Daten
an einem Tag als Facebook in einem Jahr."

Hilschers netIOT-Edge-Gateway "hört" durch Analyse-Technologien alles auf der Leitung, bereitet die Daten vor und schickt sie an übergeordnete Cloudanwendungen. "Unser Gateway wird damit letztlich zur Firewall, da es unmöglich ist, von der Cloud auf die installierten Legacy-Systeme zu schreiben.“